Emmas Reisen

Emmas Reisen

Pl-UA-Ro 2008

Urlaub 2005 - 2011Posted by Christiane Fri, March 10, 2017 10:49:59


Pl-UA-Ro 2007

Urlaub 2005 - 2011Posted by Christiane Fri, March 10, 2017 10:47:27


Pl-UA-Ro 2006

Urlaub 2005 - 2011Posted by Christiane Fri, March 10, 2017 10:43:53


Polen 2005/1

Urlaub 2005 - 2011Posted by Christiane Wed, March 08, 2017 10:44:51

Start zu ersten Fahrt in den Osten

Über Görlitz ins südwestliche Polen, Riesengebirge und weiter in den Glatzer Kessel. Kurzer Abstecher nach Tschechien und vorbei an den Stauseen bei Nysa. Dann ins Oberschlesische Industrierevier und weiter zum Mahnmal für dunkelste deutsche Geschichte, Auschwitz. Von dort geht es über einen kleinen Teil der Slowakei zu den höchsten Erhebungen Polens, der Hohen Tatra. Der tiefe Südosten folgt, wir kratzen das Bieszczady an und biegen nach Norden ab, haben Kontakte mit der Grenze zur Ukraine. Besuchen die ehemaligen Konzentrationslager Belzec und Sobibor, gelangen an den Bug. Bevor der Weg uns zu den masurischen Seen führt, stoppen wir in Treblinka. In Masuren besuchen wir unter anderem die Wolfschanze und machen eine Dampferfahrt auf dem Oberländischen Kanal. Frombork, dann zurück über Nogat und Weichsel nach Danzig. Es führt uns bis in den äußersten Norden, auf die Halbinsel Hel, an der Küste entlang zu den höchsten Sanddünen bei Leba. Die Reise nähert sich dem Ende und an Stettin vorbei gelangen wir über die Oder wieder zurück nach Deutschland.



10.09.2005

Da wir am nördlichen Harzrand leben, müssen wir zunächst 400 km fahren, um an die polnische Grenze bei Görlitz zu gelangen.

Morgens um halbzehn rollen wir von der Tankstelle ab. Das Abenteuer kann beginnen. Bei Kamenz gelangen wir ins Land der Sorben, die Ortsschilder werden zweisprachig. Wir fahren durch die Teich- und Heidelandschaft der Niederschlesischen Oberlausitz (Weltkulturerbe), unser Ziel ist Colm, ein kleiner Ort am Speicherbecken Quitzdorf, in dem es einen Campingplatz geben soll.

Wir sehen uns den "Campingplatz" an und da sich ein Gewitter ankündigt, beschließen wir, lieber ein Zimmer zu nehmen. Im Nachbarort Sproitz finden wir eine Übernachtungsmöglichkeit bei einem netten älteren Ehepaar. Beim Spaziergang durch das Dorf entdecken wir einen kleinen Getränkehandel und organisieren noch ein paar Eibauer Schwarzbiere.

Tagesstrecke: 400 km

11.09.05

Nach einem kleinen Frühstück mit "Spezialkaffee" (Saeco) und selbstgebackenen Kuchen verlassen wir die Beiden und machen uns auf zum Grenzübergang Görlitz/Zgorzelec.

In Sproitz

Den Übergang erreicht man nur nach einer kleinen Stadtrundfahrt, wir sehen hier Alt und Neu nebeneinander. Am Übergang selbst kommt ein deutscher Grenzer an unseren Wagen, schaut hinein und fragt, ob wir umziehen wollen (!). Die Polen dagegen lassen uns in Ruhe passieren. Auf polnischer Seite halten wir an einer Wechselstube, um erstes polnisches Geld zu erhalten und als wir aus dem Auto aussteigen, stehen schon zwei junge Männer bereit, die uns die Scheiben reinigen.

An der Grenze in Zgorzelec

Der erste Eindruck, den wir von polnischen Seite Görlitz' bekommen, ist zwiespältig. Einerseits das bunte Treiben, andererseits Erschrecken über den ruinösen Zustand vieler Gebäude. Es ist Sonntag und die Polen pflegen ihre religiöse Tradition beim Kirchgang. In Luban fahren wir einmal ins Zentrum und haben hinterher ein wenig Mühe, aus dem Einbahnstraßengewirr wieder heraus zu finden.

Ein weiterer kleiner Abstecher führt uns hinein nach Gryfow Slaskie (Greifenberg). Es ist Mittagszeit und wir sehen nur Männer auf Parkbänken, in Cafés oder auf den Haustreppen sitzen. Wir fahren weiter nach Swieradow Zdroj (Bad Flinsberg), die Allee, die wir passieren, ist kurvenreich und vermittelt ein wenig Düsterkeit, dazu kommt nun ein heftiger Platzregen, der riesige Pfützen auf den Straßen entstehen lässt.



Plan von der Gegend bei Bad Flinsberg
In der Wandelhalle


Der Eingang

Wir erreichen Bad Flinsberg über einen Umweg in Richtung der tschechischen Grenze und überqueren dabei das Isergebirge

Wysoka Kopa (ein Teil der Sudeten, ca. 1100 m hoch).

In Bad Flinsberg machen wir einen Spaziergang und schauen uns die schönste aus Holz gebaute Wandelhalle Polens an.Anschließend gelangen wir in die Partnerstadt von Bad Harzburg, Szklarska Poreba (Schreiberhau). Auf dem Weg dorthin, erhaschen wir einen ersten Blick auf die Schneekoppe (Sniezka).

Die Schneekoppe (Sniezka)

Eigentlich wollen wir hier übernachten, doch als wir einen Blick auf den Campingplatz werfen, der mitten in der Stadt liegt und nicht sehr einladend ausschaut, beschließen wir, weiter zu fahren. Der Ort selbst ist sehr schön in einem Tal gelegen, viele der alten Villen schmiegen sich an die Berge. Nach ca. 20 km erreichen wir Karpacz (Krummhübel). Am Ortseingang sehen wir links einen kleinen Campingplatz, die Zufahrt führt über einen kleinen Fluß und nachdem wir mit dem Besitzer gesprochen haben, er spricht ein wenig deutsch, entschließen wir uns, die Nacht hier zu verbringen. Nur ein Wohnwagen (NL) und ein kleines Zelt (PL) sind unsere Nachbarn. Nach dem Zeltaufbau fahren wir nach Karpacz, um einige Einkäufe zu erledigen und spazieren einmal durch den Ort. Dabei fällt uns ein kleines "Kneipchen" auf, das Mini Muzeum Socrealismu, in dem Bilder von zahlreichen kommunistischen Größen neben Relikten aus der kommunistischen Ära an den Wänden hängen.

Das Mini Muzeum Socrealismu

Untermalt wird das Ganze durch amerikanischen Swing aus den fünfziger Jahren. Wir versuchen uns mit der Essenbestellung, nach dem Motto "Rate mal mit Rosental". Wir haben Glück mit Auswahl, auch das polnische Bier läßt sich gut trinken. An die Preise kann man sich leicht gewöhnen, alles zusammen kostet uns 6 Euro!

Als wir zum Zelt zurückkehren ist leider alles dunkel und wir kriechen in unsere Schlafsäcke und machen unsere Tagebuch-Aufzeichnungen. Da dies unsere erste Nacht in Polen ist, schlafen wir etwas unruhig bzw. gar nicht, denn wir müssen an die "Horror"-Geschichten von gestohlenen Autos denken. Zu allem Übel zieht auch noch ein Gewitter auf und es regnet die ganze Nacht heftig. Die Temperaturen sind auch nicht besonders hoch.

Am nächsten Morgen lockt uns aber die Sonne aus dem Zelt und gsd, das Auto ist auch noch da!!!

Tagesstrecke: 170 km

12.09.05


Karpacz im Regen

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit unserem "Lieblingskaffee" brechen wir noch einmal nach Karpacz auf. Am Abend zuvor hatten wir bemerkt, dass wir unser wichtigstes Reiseutensil, den Baedeker, vergessen hatten. Im Ort entdecken wir einen Buchladen und in ihm finden wir einen sehr guten Ersatz-Reiseführer sowie einen Superatlas von Marco Polo im Maßstab 1:200.000, der uns noch wertvolle Dienste leisten wird.

Wie es in den Bergen häufig vorkommt, gibt es schon nach kurzer Zeit ein heftiges Gewitter, das die Straßen in Sturzbäche verwandelt. Nach Geldtausch und Tanken begeben wir uns zur Kirche Wang, eine Holzkirche, die ursprünglich in Norwegen an einem See namens Vang gestanden hat und hier wieder aufgebaut wurde.

Die Kirche Vang

Da die Grenze nach Tschechien sehr nah ist, entscheiden wir uns, das Riesengebirge ein wenig von der anderen Seite kennenzulernen. Unser Weg führt uns über Kowary nach Przelecy Okray, dem Grenzübergang zwischen Polen und Tschechien. Auf dem Weg nach Spindleruv Mlyn (Spindlermühle) talabwärts sehen wir Ferienhäuser, die z.Z. jedoch unbewohnt sind. In Horna Masov entdecken wir an einigen, zum Teil verfallenen Gebäuden, mehrsprachige Erklärungstafeln, u.a. eine Mühle, eine Brauerei, das Rathaus

Das Schlösschen
und ein Schlösschen einer Adelsfamilie aus dem Riesengebirge, das jetzt zum Verkauf ansteht.

Wir sehen verfallende Industriebauten, Plattenneubauten des Sozialismus,

daneben architektonische Schönheit, renovierungsbedürftig.


Über Swoboda und Janske Lazne geht die Fahrt weiter nach Vrchlabi (Hohenelbe). Dort stoßen wir auf einen deutschen Supermarkt. Wir schauen uns im Laden um, kaufen aber nichts, da wir kein Geld getauscht hatten.

Bevor wir nach Vrchlabi hineinkamen, hatten wir einen kurzen Zwischenstopp an einer über die Hauptstraße führenden Lorenseilbahn eingelegt. Sie scheint außer Betrieb zu sein, früher wurde hier Schotter von Posta zur nächstgelegenen Bahnstation transportiert.


Aus Zeitgründen lassen wir Spindleruv Mlyn "rechts" liegen und fahren Richtung tschechisch-polnische Grenze über Rokytnice.

An einer Kreuzung gelangen wir auf die E 65, eine wirklich gut ausgebaute Straße bis zum Grenzübergang. Wieder in Polen passieren wir erneut Schreiberhau, dort halten wir, um unsere Vorräte aufzufüllen. Da wir hungrig sind, legen wir auf dem Weg zum Campingplatz in Piechowice (Peterwitz) eine Pause ein. In einer Bar am Straßenrand (das Auto in greifbarer Nähe) nehmen wir unser Abendessen ein. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir unser Nachtlager.


Milkow (Dörfchen nahe Campingplatz)

Dort angekommen lassen wir die Eindrücke des Tages noch einmal Revue passieren und planen den nächsten Tag. Da ein leichter Nieselregen einsetzt, ziehen wir uns ins Zelt zurück. Der Nieselregen wächst sich zu einem heftigen Dauerregen aus. Das Zelt hält dicht, nur das Vordach füllt sich mit Regenwasser und droht einzureißen, wir entfernen die Stangen und schlafen anschließend ruhig weiter.

Tagesstrecke: 145 km

13.09.07

Nach dem Frühstück, Zeltabbau bei wieder leichtem Nieselregen. Unser Weg soll uns heute nach Srebna Gora (Silberberg) führen, wieder Kowary, diesmal mit einem Zwischenstopp, der Auffahrt zur Stolnie Kowary, dem ehemaligen Uranbergwerk im Riesengebirge, heute eine "Kureinrichtung" mit Atemtherapien.

Parkplatzwächterin an ihrem Häuschen

Weiter geht es über Kamienna Gora (Landeshut) und Walbrzych (Waldenburg), wir meiden den Stadtkern und landen in Jedlina Zdroj, wo wir ein feines Mittagessen für 60 Zloty (15 Euro) - Rinderlende und Zander, vorweg leckerer Knoblauchdip) einnehmen.

In Nowa Ruda (Neurode) entnehmen wir der Karte, dass hier noch ein Bergwerk in Betrieb sein soll. Es handelt sich jedoch um eine Anlage, die 1994 still gelegt wurde und heute ein Museum ist. Das lassen wir uns nicht entgehen. Die Führung ist in englischer Sprache, "Berggeist" inklusive.


Guide und Geist

Die fachkundige Führung vermittelt uns einen Eindruck, wie die Arbeit der polnischen Bergarbeiter noch bis in die heutige Zeit verlief, 1994 lag das Einkommen bei 2.000 Zloty, heute vielleicht 3.000, umgerechnet ca. 750 €.

Förderturm von Nowa Ruda

Weiter geht es nach Srebna Gora (Silberberg), wir wandern zu den Festungsbauten, die strategisch gut an der Passhöhe vor dem Ort liegen

Die Festungsanlage

und freuen uns auf ein schönes Hotel, dass uns empfohlen wurde. Leider verfehlen wir das Hotel, so wie wir auch das Geburtshaus meiner Mutter nicht finden können (falsches Haus im falschen Ort, ein Jahr später haben wir mehr Glück, siehe Schlesien 2006). Der nächste größere Ort, den wir auf der Karte ausmachen, ist Kamienec Zabkowice (Kamenz). Hier erhoffen wir, eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden, doch die Suche gestaltet sich recht schwierig. Wir sprechen ein Ehepaar an der Straße an, die uns in die Richtung eines Hotels weisen. Doch wir kreisen um den Pudding und finden es trotzdem nicht (mittlerweile ist es auch dunkel geworden). Wir begegnen dem Paar erneut und sie lotsen uns zur "Hala Sportawa", in dem sie selbst, als Touristen aus Warschau, auch übernachten. Die Zimmer sind modern und sauber, allerdings gibt es kein Frühstück. Zahlen kann man nur mit Barem und da wir nicht mehr genug, müssen wir einen Ausweis hinterlegen. Wir wagen uns auf einen kleinen Gang duch die Nacht und finden noch einen kleinen Laden, in dem reger Betrieb herrscht. Wieder im Zimmer führen wir unser Reisetagebuch weiter und nach einigen Schlucken Wodka beenden wir den Tag.

Hala Sportawa (Hotel)

Tagesstrecke: 155 km


ENDE TEIL 1






Polen 2005/2

Urlaub 2005 - 2011Posted by Christiane Wed, March 08, 2017 10:41:30

14.09.05

Vom Kamenzer Schloss konnten wir nicht viel sehen, da von hohen Zäunen umgeben und das Tor verschlossen war. Wir frühstücken in einem urigen Lokal kurz hinter Bardo. Ein Trucker-Treff im Blockhaus-Stil, mit Kaminfeuer, obwohl draußen die Sonne scheint und das Thermometer 22° C anzeigt. Unser erster polnischer Kaffee (mit Satz), das Frühstück ist reichlich und gut.

In Glatz angekommen, stellen wir das Auto auf einem bewachten Parkplatz ab und begeben uns ins Stadtzentrum. Dazu müssen wir über eine Brücke, die aufgrund der Heiligenstatuen Ähnlichkeit mit der berühmten Karlsbrücke in Prag aufweist.

Weiter geht es über den Rynek (Marktplatz)




bis zur Festung, von der wir einen herrlichen Rundblick über den Glatzer Kessel genießen. Danach folgt eine Führung (in polnischer Sprache, wir erhalten einen Handzettel in Deutsch) durch das unterirdische Labyrinth,



dass zu Verteidigungszwecken angelegt wurde. Die Gänge sind teilweise nur 1 m hoch und wurden von den Soldaten in völliger Dunkelheit begangen. Man legte Sprengstoff unter die feindlichen Stellungen, die sich auf dem Hang vor der Festung befanden. Im Festungsmuseum machen wir Bilder von Bildern des Neisse-Hochwassers (1997).


Über Patschkau führt uns unser Weg über die tschechische Grenze bei Bily Potok, Richtung Javornik. In Bernartice wollen wir Geld tauschen, um auch mal das tschechische Bier zu verkosten. Leider sind die Banken geschlossen und so fahren wir weiter direkt entlang der PL-CZ. Bei Terezin entdecken wir an einer Kreuzung ein vermutlich von Zigeunern bewohntes Haus, das Dach ist in einem erbärmlichen Zustand, die Wäsche hängt über dem Zaun. "Europa erwache!"



Bei Glucholazy kehren wir zurück nach Polen. Heute wollen wir in Nysa (Neisse) übernachten. Aus dem neuen Reiseführer haben wir ein Hotel ausgesucht. Am Ortseingang sprechen wir ein polnisches Ehepaar an, er spricht relativ gut deutsch und erklärt uns den Weg. Diesmal finden wir das Hotel, die alte Villa "Navigator", recht zügig. Das Haus wird von Bruder und Schwester geführt, die Zimmer sind eigenwillig eingerichtet, etwas düster, mit schweren alten Möbeln.

Nysa bei Nacht

Wir machen noch einen kleinen Rundgang durch das Zentrum und machen erste Bekanntschaft mit "Warka strong" (7 %). Erledigen unsere Einkäufe und erstehen
eine besonders gut schmeckende polnische Mettwurst.

Neisse-Hochwasser 1997

Am kommenden Morgen nehmen wir unser Frühstück im "Riesen"-Wohnzimmer der Familie ein, auch hier sehr massive und antike Holzmöbel. Wir legen die weitere Route fest. Über Dörfer soll es weiter gen Osten gehen. Aber nach wenigen Kilometern kehren wir zur B41 zurück.

Gänse-"Lager"

Oderbrücke bei Kedcierzyn-Kozle

An der Oderbrücke machen wir ein Päuschen, bevor es zum oberschlesischen Industrierevier um Kattowitz (dem polnischen Ruhrpott) weitergeht. An der Straße nach Ujazd weist ein Schild auf das Arbeitslager "Blechhamer", ein Nebenlager von Auschwitz, hin.

Wir biegen hier ab und stoßen auf die Überreste des Wachturms am Eingang.

Auf einer Lichtung sehen wir das Mahnmal und eine Baracke. Zwei Autos und ein paar dubiose Typen, die herumlungern, halten uns vom Aussteigen ab.

Bei einem weiteren Zwischenstopp zwecks Routenplanung (kurz vor Zabrze) kommt eine alte Frau vorbei, die uns zunächst auf Polnisch anspricht und nachdem wir auf deutsch antworten, erzählt sie uns ebenfalls in deutsch von der "alten Zeit".

Über Zabrze gelangen wir nach Bytom (Beuthen) und sehen uns mehrere Bergwerke von außen an, erleben den Schichtwechsel und sind erschüttert über Wohn- und Lebensverhältnisse in der Umgebung (siehe unten).


Eine Kokerei stößt in regelmäßigen Abständen ihre Wolken aus, dass uns fast die Luft wegbleibt.

Förderanlage in Bytom


Förderanlage in Bierun

Neben den Förderanlagen warten LKW-Schlangen auf ihre Kohle. Die Straßen sind vom Ruß schwarz gefärbt.

Wir haben fürs erste genug von den Eindrücken des Reviers und machen uns nach Oswiecim (Auschwitz) auf. An einer Tankstelle erkundigen wir uns nach dem Weg. In einer kleinen Gaststätte mitten in der "Botanik" stillen wir unseren Hunger mit einer PL-Tiefkühlpizza.

In Oswiecim (Auschwitz) ist die Ausschilderung zum Lager sehr dürftig. Nach einigem Suchen finden wir zum Stammlager. Da aber die Zeit schon vorgerückt ist, gehen wir auf Zimmersuche. Südlich der Stadt entdecken wir ein Hinweisschild auf eine "Agroturystika", wir landen in Skidzin und machen an einer Bar Halt. Die dazugehörige Pension liegt nur wenige hundert Meter entfernt. Dort nimmt uns die Wirtin, die ziemlich gut englisch spricht, in Empfang und wir suchen uns ein Zimmer aus. Wir ahnen nicht, dass es noch ein lustiger Abend werden wird, denn als wir in die Bar zum Abendessen gehen, lernen wir Hans und Toni (zwei Ur-Bayern) kennen.

Bei einigen Bieren klären wir zur Heiterkeit aller die Unterschiede zwischen Norddeutschen und Bayern. Ein reger "Erfahrungsaustausch" findet an diesem Abend statt und zu später Stunde fallen wir müde in die Betten.


Tagesstrecke: 320 km
Ü/F: 60 Zloty


15.09.05


Konzentrationslager Auschwitz

Bild eines Insassen

Auschwitz-Birkenau

Die Kehle ist wie zugeschnürt. Nur ein Wort bleibt im Kopf: Tod, Tod, Tod.
Die Eindrücke werden für immer im Gedächtnis bleiben.

Anscheinend besuchen nur sehr wenige Deutsche diesen Ort.

In Birkenau begegnen wir einer israelischen Jugendgruppe. Obwohl hier schwärzeste deutsche Geschichte geschrieben wird, gibt es kein Zeichen dafür, dass wir als Deutsche nicht willkommen sind.

Das Leben rund um das Lager folgt den Gesetzen der Normalität.

Nach dem Besuch der Lager fahren wir noch ein wenig in der Gegend herum. So kehren wir in die Gegenwart zurück.


16.09.05

Nach einem guten Frühstück brechen wir auf in Richtung Süden. Über Kety führt der Weg nach Bialsko-Biala. Mitten in der Stadt steht ein Kraftwerk.

Kraftwerk in Bielsko-Biala

Vor Zywiec liegt ein größerer Stausee, den wir umrunden.

Zywiec-Stausee

Bei der Ankunft in Zywiec halten wir in einem Supermarkt und füllen unsere Vorräte auf. Wir fahren weiter und biegen hinter Jelesnia von der Hauptstraße ab und fahren in Richtung des Romanka (1366 m) - ein wunderschönes Tal, leider versperren uns aufsteigende Nebel die Aussicht.
als Unterkunft nicht so geeignet (bei Romanka)

Zurück auf der Hauptstraße überqueren wir den PL-SK-Grenzübergang bei Korbielow.

Grenze PL-SK bei Korbielow

In der Slowakei sind die Straßen besser und die Ortschaften gepflegter, obwohl es auch hier viel Armut gibt. Wir fahren zum Vodna Orava, es regnet und wir suchen schnell ein Café auf. Wir trinken "türkischen" Kaffee (die Alternative wäre Nescafé gewesen).

In Trstena geben wir unsere letzten slowakischen Kronen für echtes Pils aus. Im Ort fallen uns die zahlreichen Außenlautsprecher auf. Ob hier die Radiosender übertragen wurden? Oder waren es eher politische Meldungen, die zu sozialistischen Zeiten auch den letzten Winkel des Landes erreichen sollten.

Marktplatz in Trstena

Bei Sucha Hora gelangen wir nach Polen zurück und vor uns liegt die Hohe Tatra , das Siedlungsgebiet der Goralen. Wir überfahren den Dunajec-Fluss

Dunajec

und erreichen das laut Reiseführer stilvollste Dorf im Bergvorland, Chocholow. Im Ort können wir sehen, was unter Goralen-Architektur zu verstehen ist. Die Häuser, die direkt an der Straße stehen, sind aus massivem hellen Holz gebaut und werden jedes Jahr vor dem Osterfest blank gescheuert.

Chocholow - Goralen-Architektur


"Wolne pokoje" - "Zimmer frei" ist hier überall zu lesen. Nach kurzer Suche finden wir ein gemütliches Zimmer, zu dem auch eine Küche gehört. Bevor wir den Tag ausklingen lassen, machen wir noch einen kurzen Trip nach Zakopane (ca. 20 km von hier). Da der Regen immer noch nicht aufgehört hat, bleibt es bei einer Stadtrundfahrt.

"Dom" von Zakopane

Tagesstrecke: 240 km
Ü: 60 Zloty


17.09.05

Hohe Tatra


In der Nacht hatte es sich endlich ausgeregnet, aber es waren nur noch 7° C. Nach dem Frühstück mit selbstgemachtem Milchkaffee brechen wir in Richtung Pieniny-Gebirge auf. Vorher halten wir am Czorsztynskie-Stausee und spazieren über den Staudamm.
Czorsztynskie-Stausee

Die herbstlichen Temperaturen lassen uns jedoch schnell wieder im Auto Zuflucht suchen. Wir fahren entlang des Dunajec auf polnischer Seite, denn hier trennt der Fluss Polen von der Slowakei, und "genießen" eine Flossfahrt vom Ufer aus.

Flossfahrt auf dem Dunajec

Die Straße endet mit dem Blick auf die "Trzy Korony" (Drei Kronen), ein Teil des Pieniny-Gebirgchens.

Um unsere Reise fortzusetzen, müssen wir den Weg zurück nehmen. In Stary Sacz machen wir nach einem Einkauf im Zentrum Delicatesy Picknick auf dem Marktplatz und genehmigen uns dann einen köstlichen Café latte im Café am Markt.

Marktplatz in Stary Sacz

Hinter Stary Sacz verlassen wir den Dunajec und fahren über Nowy Sacz, Grybow, Gorlice nach Dukla. Hier sehen wir einige Pferdekopfpumpen mit scheinbar noch vorhandenen Bohreinrichtungen.

Hinter Dukla, in Rowne, müssen wir tanken. Mittlerweile ist es 18 Uhr und je weiter wir nach Osten kommen, desto früher wird es dunkel. Zimmersuche im Dunkeln ist nicht so easy. Wir halten intensiv Ausschau, ohne Erfolg. Unserem Reiseführer entnehmen wir, dass es in Ustrziky Dolne eine Pension gibt. Noch ein Stückchen zu fahren und die Dunkelheit hat schon eingesetzt. Die Nächte im Osten sind dunkler. Das Fahren macht überhaupt keinen Spass mehr. Wir bemerken, dass wir diese Situation möglichst vermeiden wollen (kann durchaus gefährlich werden).

Mit viel Glück finden wir endlich die Pension Magda Turystyczny Osrodent (touristisches "Behandlungszentrum"). Und obwohl wir kein polnisch sprechen und die jungen Männer an der Rezeption weder englisch noch deutsch, bekommen wir ein ordentliches Zimmer.

Tagesstrecke: 340 km
Ü: 60 Zloty

ENDE TEIL 2



Polen 2005/3

Urlaub 2005 - 2011Posted by Christiane Wed, March 08, 2017 10:39:13

18.09.05

Unser Frühstück nehmen wir in einem gemütlichen Gemeinschaftsraum ein, Tee und Kaffee sind im Zimmerpreis eingeschlossen, der Rest kommt aus unserer Kühlbox.

Die Hauptattraktionen des Hauses: Freeclimbing, Geländetouren, Paintball usw.


Vorbereitung auf die nächste Geländetour

Im Reiseführer hatten wir gelesen, dass die Eisenbahnstrecke von hier nach Przemysl über ukrainisches Territorium führt.

Bahnlinie PL-UA (letzter Halt vor der UA-Grenze)

Im Hotel erfahren wir, dass der Zug zweimal am Tag fährt: Um 7.00 und um 17.00 Uhr. Das passt nicht in unsere Pläne. Da wir nun aber schon so nah an der ukrainischen Grenze sind, wollen wir auch einen Blick darauf werfen.

Grenzübergang Kroscienko

Die Schlange der Wartenden ist lang, wir fahren erst vorbei und drehen dann um, da wir gehört haben,dass dies kein Übergang für "Ausländer" sei.


rKate, aber MB vor der Tür

Wir sind auf dem Weg nach Przemysl, wo wir versuchen wollen, über die Grenze zu kommen. Um dorthin zu gelangen, gelangen wir auf Nebenstraßen in ein Tal, wo wir links und rechts Häuser vorfinden, die in ihrem Baustil russischen Bauernhäuschen ähneln. Zum Teil recht baufällig, müssen die Häuser jedoch bewohnt sein, da immer wieder Gummistiefel vor den Türen stehen, Autos geparkt und Satellitenschüsseln angebracht sind.

Es scheint eine der ärmeren Gegenden Polens zu sein. Die Verwurzelung im Glauben ist jedoch tief und wird deutlich an den Kirchgängern, die weite Strecken zur nächsten Kirche zu Fuß zurücklegen. Friedhöfe sind üppig mit Blumen geschmückt.


In Kuzmina gelangen wir wieder auf die Hauptstraße. In Przemysl irren wir durch die Stadt, um den Weg zur ukrainischen Grenze zu finden.

San-Brücke

An der San machen wir eine Pause, direkt neben einem polnisch-russischen Markt. Wartende Busse husten ihre schwarzen, stinkenden Abgase in die Luft. Nach kurzer Zeit finden wir dann endlich die Straße zum Grenzübergang nach Medyka. Wir passieren die Schlange der wartenden Ukrainer und zücken unsere Personalausweise. Der Grenzer versucht uns zu verstehen zu geben, dass für die Einreise in die Ukraine wohl ein Reisepass erforderlich ist... Verschwindet aber mit unseren Ausweisen im Büro der Grenzstation. Nach kurzer Zeit kommt er zurück und macht uns erneut deutlich, dass ohne Reisepass nichts geht. Wir stehen nun mittlerweile zwischen Grenz- und Zollstation und ringsum von ukrainischen Fahrzeugen eingekeilt. Unsere Stimmung sinkt, da wir annehmen, dass wir hier noch lange Zeit ausharren müssen, bevor wir auf die Einreisespur wechseln können. Zum Glück ist der Grenzer aufmerksam und hilfsbereit und dirigiert den Verkehr. Hier ein bisschen vor, da ein bisschen zurück und schon sind wir raus aus dem Schlamassel. Mit einem freundlichen Winken bedanken wir uns bei ihm.

Übergang Medyka

Die nächste Station ist das ehemalige Vernichtungslager Belzec. Nur mit Mühe erkennen wir in einem superholperigen Weg die Zufahrtsstraße zum ehemaligen Lager. Belzec ist ein Mahnmal, künstlerisch eindrucksvoll gestaltet, mit einem Weg in die Tiefe und dem danach folgenden Aufstieg in der Hoffnung auf das Licht des Himmels, zwei riesigen Feldern mit Schlackensteinen, aufgschichteten Eisenbahnschwellen und Schildern mit den Namen vieler polnischer Städte. An der Gedächtniswand sehen wir die Vornamen von ermordeten Juden.

Erinnerungstafel Belcec

Denkmal Belcec


Gegen Abend erreichen Zamosc, wo wir in einem Motel an der Einfallstraße ein Zimmer nehmen.

Tagesstrecke: 290 km
Ü: 120 Zloty

19.09.05

Wir beginnen den Tag mit einem Spaziergang durch die "Stare Miasto" von Zamosc. Nach einigen sprachlichen Verwirrungen stoßen wir auf ein Hotel, in dem wir unser Frühstück einnehmen können, was in den anderen, rund um den Marktplatz liegenden Lokalen, nicht möglich ist.

Rathaus Zamosc

Synagoge

Jan Zamoyski

Rund um das Rathaus gruppieren sich schön anzusehende armenische und italienische Renaissance-Häuser. Wir besuchen die Synagoge der Stadt, die heute ein eindrucksvolles Museum ist. Nach der Besichtigung haben wir für heute Sobibor als nächstes Ziel ins Auge gefaßt. Leider ist die Ausschilderung aus der Stadt nicht immer eindeutig und es dauert ein wenig, bis wir den Weg nach Chelm. Die Straße dorthin ist von Schlaglöchern übersät und wir kommen nur mühsam voran.

Immer wieder stellen wir fest, dass sich die Dörfer endlos entlang der Straßen ziehen. Ein Dorf geht in das andere über. Die Landschaft ist waldreich und in den Ortschaften glauben wir die Nähe zur ukrainischen Grenze zu erkennen. Auf den Straßen sehen wir viele Fahrzeuge aus den ehemaligen GUS-Staaten und wir fühlen uns schon fast wie in der früheren SU. Anhand der beladenen Dachgepäckträger müssen die Baumärkte entlang der Grenze wohl alle ausverkauft sein.


Tabak zum Trocknen aufgehängt



Auch die Fahrt durch Chelm gelingt nicht auf Anhieb. Erst nach dem zweiten Anlauf gelangen wir durch den Sobiborski Park Krajobrazowy nach Sobibor. Leider sind wir etwas spät dran, denn das Museumsgebäude schließt um 14 Uhr. Aber wir machen einen ausgedehnten Rundgang über das ehemalige Lagergelände. An den Wegen durch den Wald sind Informationstafeln aufgestellt, die die nicht mehr existenten Gebäude beschreiben. Mahnmale und Gedenksteine mit den Namen der Ermordeten erinnern an die Geschehnisse des dritten Reiches. Wie schon in Belzec, sind wir auch hier die einzigen Besucher. Es herrscht eine friedliche Atmosphäre.


Nicht weit entfernt fließt der Bug, der hier die Grenze zwischen Polen und der Ukraine bildet. In Zbereze parken wir und gehen ans Ufer des Flusses. Ein wirklich idyllisches Fleckchen und das bei strahlendem Sonnenschein.

der Bug
Häuser entlang der Straßen


Weiter geht es über Wlodawa, parallel zum Bug gelangen wir nach Slawatycze. Dort fahren wir kurz an den Grenzübergang nach Belarus, um einen Blick auf diese noch fremde Welt zu erhaschen. Wenn wir einen Reisepass dabei hätten, wäre vielleicht ein Besuch möglich.

Der Stand unserer Tanknadel zwingt uns, auf der Karte nach einer größeren Stadt Ausschau zu halten und so geht es weiter nach Norden in Richtung Terespol. Dort befindet sich der Übergang nach Brest/BY. Auf dem Parkplatz am Übergang halten wir uns beobachten eine ganze Weile das Treiben an der Grenze. Glücklicherweise finden wir bald eine Tankstelle und setzen den Weg in Richtung Westen fort.

Da die Zeit vorgerückt ist, halten wir Ausschau nach einer Übernachtungsmöglichkeit und entdecken per Zufall bei Pratolin ein noch im Aufbau befindliches Sanktuarium mit einer riesigen Showbühne. Daneben befindet sich ein Schild mit der Aufschrift "Agroturystyka", wir sehen ein schön gelegenes Häuschen am Bug, jedoch öffnet uns niemand.



In Janow Podlaski finden wir nach intensivem Suchen ein "Hotel". Hier verabschiedet sich der Bug als Grenzfluß zwischen PL und BY und nimmt seinen Weg weiter nach Westen. Das "Hotel" ist eher eine Pension, wir können die Küche benutzen, unterlassen dies jedoch aufgrund des Zustandes. Wir bedauern wieder einmal, dass unsere Polnischkenntnisse leider nicht vorhanden sind, denn die Leute sind sehr nett. Einer der Bewohner spricht ein paar Worte deutsch und ist uns bei der Verständigung mit dem Wirt behilflich.

Tagesstrecke: 270 km
Ü: 40 Zloty


20.09.05

Wir starten mit einem Umweg, aber immer in der Nähe des Bugs. Auf der Strecke sehen wir gelegentlich Erdbunker, die vermutlich als Kühlräume dienen.

Kurz hinter Drohiczyn überqueren wir den Bug, halten auf der Brücke und genießen den Ausblick auf den stillen Fluss. In Sokolow Podlaski nehmen wir die 677 in Richtung Treblinka. Die Straße ab Kosow Lacki scheint von den Nazis gebaut zu sein, eine typische Betonpiste. Die Bahn führt parallel zur Straße direkt ins ehemalige Lager Treblinka. In wunderschöner Heidelandschaft stoßen wir links der Straße auf das Gelände der Gedenkstätte. Treblinka, welch ein Name für die Unmenschlichkeiten, die hier geschahen. Wäre man unbelastet, ein schöner Name für eine Frau. Zwei Stunden dauert der Rundgang. Ein Pärchen aus Chemnitz parkt neben uns. Wir treffen sie während des Rundgangs, doch ins Gespräch kommen wir nicht.



An der Stelle, wo Insassen des Lagers verbrannt wurden, treffen wir auf eine israelische Gruppe, die hier eingedenk der Geschehnisse für die Opfer beten. Wir entfernen uns, um sie nicht zu stören.

Kirche von Jedwabne

Zurück in der Jetztzeit fahren wir weiter nach Norden, die Betonpiste setzt sich über den Bug fort. Wir nehmen Kurs auf Lomza, um dann nach Jedwabne zu fahren. Von diesem Ort hatten wir einen Bericht in der "Zeit" gelesen, wonach in diesem Dorf während des 2. Weltkrieges ein Pogrom von Polen an Juden verübt wurde.

Wir empfinden bei der Durchfahrt eine unheimliche Atmosphäre und fühlen uns beobachtet, ohne auszusteigen, setzen wir unsere Fahrt fort durch die ursprüngliche Landschaft Podlachiens.


Wie in alten Zeiten

Über Kolno erreichen wir Piscz, wo wir ein Zimmer zu finden hoffen. Zuvor machen wir eine Kaffeepause in Brzozowo Jeze. Alle Zäune entlang der Straße sind mit Fähnchen geschmückt, es scheint ein Kirchenfest anzustehen. Auch in Piscz sehen wir die Fähnchen an den Zäunen, haben aber keine Idee, um welchen Feiertag es sich handeln könnte. Hier, am Anfang der masurischen Seenlandschaft finden wir Nachtquartier in einer Pension, in der wohl überwiegend Monteure absteigen.

Wir gehen noch in den Ort und genießen ein sehr gutes Abendessen mit einigen starken Bieren. So wird die Nacht im Zimmer neben den Bad- und Toilettengeräuschen erträglicher.

Tagesstrecke: 290 km
Ü: 60 Zloty

21.09.05

Nach einer turbulenten Nacht (gegen halbfünf starten die Monteure zur Arbeit, die Motoren laufen rund 1/4 h warm) verabschieden wir uns von unserer Vermieterin und fahren in den Ort. Wir bekommen ein schönes Frühstück in dem Lokal, in dem wir schon am Abend zuvor gegessen hatten. Unser erstes Ziel wird der Jezioro Sniardwy, der größte der masurischen Seen.

Wir fahren direkt ans Ufer, erkunden dieses zu Fuß und sind von der Schönheit der Landschaft verzaubert. Dieser Zauber verfliegt kurzzeitig, denn nachdem wir wieder im Auto sitzen, bemerken wir einen unangenehmen Geruch und stellen fest, dass wir beim Spaziergang einen Hundehaufen übersehen hatten. Also Stopp und Reinigung, Reinigung, Reinigung!!

An Orcysz vorbei wollen wir nun nach Gyzicko. Neben der Straße sehen wir eine Bauernfamilie beim Kartoffelroden, hier wird noch mit Pferden gepflügt. Kurz vor Nikolaiken biegen wir rechts ab, am Jezioro Jagodne entlang, gelangen wir nach Gyzicko.

Am Ortseingang halten wir an einem russischen Soldatenfriedhof.


Aus dem Reiseführer wissen wir, dass es in dem Ort noch eine funktionierende Drehbrücke gibt, die den Kanal zwischen Jeziero Negocin und Jez. Kisajnu überspannt. Die ca. 20 m lange Brücke wird vom Brückenwärter per Hand zur Seite gedreht, damit Schiffe passieren können. Alles läuft hier per Hand, selbst die Schranken, die den Autoverkehr stoppen, werden so geschlossen und geöffnet. Alles natürlich nach festem Stundenplan. Sicherheit wird hier ganz groß geschrieben, die Schranken für den Fahrzeugverkehr werden mit Vorhängeschlössern gesichert.

Nach dieser Aktion fahren wir selbst über die Brücke in die Stadt, dann weiter zur Wolfsschanze in der Nähe von Ketrzyn (Rastenburg). Eine Abkürzung führt durch ein Waldgebiet auf einer einspurigen gepflasterten Straße, in der Mitte teilweise stark gewölbt, und das Fahren macht wieder mal keine große Freude. Mitten im Wald taucht auf einmal eine kleine Bunkerstation auf, der erste Hinweis auf die vor uns liegende Anlage. Als wir auf dem Parkplatz ankommen, werden wir von einem Mann in gutem Deutsch mit heiserer Stimme (später erzählt er uns, das dies von einem Überfall herrührt, bei dem ihm ein Stock an die Kehle gedrückt wurde) angesprochen, der uns eine Führung anbietet. Edvard Korpalski.



Neben uns parken zwei Wohnmobile, das eine aus Hildburghausen, das andere aus der Nähe von Braunau/A. Gemeinsam mit den beiden Pärchen lassen wir uns von Edvard die Anlage zeigen. "Nette Gäste...", so spricht er uns an. Als Mitautor eines Buches über die Wolfsschanze, welches wir am Ende der Führung für 50 Zloty erwerben, stellt er sich als sehr kompetent heraus.

Gedenktafel für den 20. Juli 1944 Doppelwand-BunkerUmbauten

Führerbunker Dach mit MG-Station

Nach einer zweistündigen Führung verlassen wir diesen historischen Ort und fahren über Mragowo nach Nikolaiken, dem Wassersportparadies der masurischen Seen. Hier finden wir die bisher beste Unterkunft in der Pension Mikolajki, für 100 Zloty incl. Frühstück. Vier junge Spanierinnen checken mit uns ein, sie kommen aus Torun, machen eine kleine Tour mit dem Leihwagen und fliegen von Danzig nach Haus. Mit einem Abendessen in in einer polnischen "Chill-out"-Bar beschließen wir den Tag.



Chilloutbar

Tagesstrecke 170 km
Ü: 100 Zloty











Polen 2005/4

Urlaub 2005 - 2011Posted by Christiane Wed, March 08, 2017 10:13:24

22.09.05

Nach einer ruhigen Nacht und einem leckeren Frühstück gehen wir am See spazieren und beobachten das Auslaufen einer Segelschule.

Nikolaiken

Geldwechsel im Kantor, dann geht es über eine ziemliche Holperstrecke nach Iznota, wo sich eine Abenteuer-Hotelanlage befindet, in der die galindische Lebensweise nachgestellt wird.

Nachdem wir uns auf dem Gelände umgesehen und einige Fotos geschossen haben, führt uns Weg weiter in Richtung Swieta Lipka (Heiligelinde), eine Wallfahrtskirche und ein Jesuitenkloster. Wir lauschen dem Organisten und sehen dabei die Engelsfiguren Cherubin und Serafin in Bewegung.



Die nächste Etappe führt zum Elblaski-Ostroda-Kanal (Oberländischer Kanal), an dem wir eine Stelle suchen, an dem die Schiffe über das Land gezogen werden. Dies gelingt uns jedoch nicht, ist auch im Reiseführer nicht beschrieben und in Anbetracht der Tageszeit müssen wir uns langsam wieder auf Zimmersuche begeben.

Bei einem kleinen Abstecher nach Milomlyn sehen wir eine Schleuse am Ilawski-Kanal, die sehr idyllisch gelegen ist. Wie sich später herausstellt, hätten wir hier bleiben sollen, denn am Ende des Tages sind wir in Frombork gelandet (ca. 60 km vor Königsberg). Nachdem auf der ganzen Strecke vorher, ca. 70 km, keine Unterkunft zu finden war und die Durchfahrten durch Olsztyn, Ostroda und Elblag und viel Zeit und Nerven gekostet haben. Die Schiff-über-Land-Partie werden wir wohl nicht mehr zu Gesicht bekommen!.

In Frombork, der Stadt, in der Kopernikus gewirkt hat, finden wir nach einer Fahrt durch die dunklen polnischen Wälder, ein Zimmer im Hotel "Kopernikus". Nach einem sehr guten Abendessen ließen wir die letzten Tage noch einmal Revue passieren.

Kopernikusturm

Tkm: 320
Ü/F: 160 Zl.


23.09.05

Beim Frühstück kamen wir mit dem deutsch sprechenden Kellner ins Gespräch und erkundigten uns bei ihm nach dem Oberländischen Kanal, den wir noch nicht aufgeben wollten. Von ihm erfuhren wir von einer Anlegestelle in der Nähe von Buczyniec. So kehren wir noch einmal an den Kanal zurück. Das Glück ist uns hold, als wir ankommen, wartet ein Schiff auf eine Reisegruppe deutsch-polnischer Austauschschüler. Wir können eine einstündige Fahrt auf dem Schiff mitmachen und erleben ein in Europa einmaliges Wunderwerk der Technik, das vor 150 Jahren unter der Leitung des deutschen Ingenieurs Stemke gebaut wurde. Bis 1970 wurden die Schiffe als Transportmittel für Holz und Korn genutzt. Heute ist es die Touristenattraktion schlechthin.



Zurück fährt uns Marek in seinem Auto zu unserem Parkplatz. Er war unser Schiffsreiseführer, der auch noch eine Pension in Morag (Morungen) betreibt. Auf der Fahrt erfahren wir noch ein wenig über die Entwicklung in Polen. Marek ist deutschsprachig aufgewachsen und hat vier Jahre in Dortmund gelebt.

Die nächste Station ist Malbork, die berühmte Kreuzritterfestungsanlage am Nogat. Leider schließt die Anlage schon um 14.30 Uhr und so machen wir einen ausgedehnten Spaziergang um das Gelände, das von sozialistischen Neubauten umgeben ist. Eine schöne Vorstellung ist es, dieses Bauwerk losgelöst von der jetzigen Situation zu betrachten, wie es früher gewesen sein muß.

Von Malbork geht es nun nach Novi Dwor und weiter nach Sztutowo (Stutthoff), wo wir noch einmal ein ehemaligen Arbeits-, Straf- und Vernichtungslager der Nazis besichtigen.

In diesem Ort hatte Hartmuts Schwiegermutter ihre Kindheit verbracht und war dann über das Frische Haff geflüchtet. Ein Nachtquartier finden wir dann in einem netten Motel in Katy Rybackie. Die Gegend hier scheint ein Urlaubsgebiet der Polen zu sein, es wird zwar im Reiseführer nicht besonders beschrieben, doch die Infrastruktur ist gut entwickelt.

Strand bei Stutthoff Haus Gerber

Tkm: 170
Ü: ?

24.09.05

Gegen 11 Uhr starten wir von Katy Rybackie und biegen am Ortseingang zum Strand ab. Dieser ist schmal, sehr sauber und der Sand ist unglaublich hell. In der Nähe des Wassers bemerken wir, das beim Gehen über den trockenen Sand ein Geräusch entsteht, das entfernt an ein Trommelgeräusch erinnert. Der Verlauf der Frischen Nehrung (rechts) und der Danziger Bucht (links) ist am Horizont nur schemenhaft zu erkennen. Am Strand können wir beobachten, wie ein Jetski startklar gemacht wird und der Besitzer seine lautstarken Runden in die Wellen schneidet. Als wir zurück in Sztutowo sind, machen wir noch ein paar Fotos vom Geburtshaus der Schwiegermutter und fahren weiter nach Stegna (Stegen),
Ehemals Gerbers Haus

KZ Stutthof

dann zur Weichselfähre Richtung Danzig.

Kurz vor Danzig überqueren wir den Totarm der Weichsel auf einer Pontonbrücke und gelangen ins örtliche Industriegebiet. Der Geruch in der Nähe der Erdölraffinerie beißt in der Nase.

In Danzig ist heute wenig Verkehr und wir finden zum Glück schnell einen Parkplatz in der Nähe der Altstadt.

Unser Rundgang führt uns über den Langen Markt, durch das Goldene Tor und am Großen Zeughaus vorbei. Es herrscht ein reges Treiben, viele Touristen, aber auch die Danziger scheinen noch ihre Einkäufe zu erledigen, flanieren und plaudern. Am Neptunbrunnen vorbei, durch das Grüne Tor, erblicken wir die Mottlau. In der Ulica Mariacka mit den aus Stein gehauenen Treppenaufgängen,den Wasserspeiern und verzierten Gittern stellen wir uns vor, wie es ohne die vielen Verkaufsstände mit Bernsteinsouvenirs und Postkarten aussehen würde. Unter dem Krantor bestaunen wir die 6 m hohen Holztrommeln, in denen früher Gefangene mit ihrer
Beinkraft zum Heben der Lasten eingesetzt wurden.

Langer Markt Zeughaus

Stockturm und Goldenes Tor
Neptunbrunnen

Krantor
Mariacka


Die Fahrt aus der "Trojmiasto" (Gdansk - Sopot - Gdynia) ist endlos und riesige Plattenbauten entlang der Straßen wirken erdrückend. Wir sind froh, endlich wieder Landschaft um uns herum zu haben und erreichen bei Einbruck der Dunkelheit Wladyslawowo in Kaschubien, ca. 30 km vor Hel, wo wir nach erfolgreicher Zimmersuche in einer Pizzeria polnische Pizza essen (hier ist "Polen doch verloren").

Zweisprachig
Blick vom Leuchtturm


Tkm: 140
Ü:

25.09.05

Ohne Frühstück, aber nach einer guten Dusche, starten wir unsere Tagesreise nach Südosten. Wir hoffen auf ein Frühstück in der Stadt, doch die Lokale sind leider noch geschlossen. Frühstück in polnischen Cafés ist eher eine Seltenheit. Gut 30 km schmale Landzunge liegen vor uns, die Halbinsel Hel, rechts das Putziger Wiek, links die Ostsee, an der schmalsten ca. 200 m, an der breitesten 3 km. Zwischen Jurata und Hel liegt ein ehemaliges Sperrgebiet (wahrscheinlich Russen), jetzt Surfer-Dorado mit östlichem Charme. In Jastarnia finden wir dann doch ein schönes Café, in dem uns eine älte Dame in deutsch begrüßt. Wir erkundigen uns bei ihr, nach dem Grund der doppelten Straßenbezeichnungen: Da wir uns hier in der Kaschubei befinden, sind die Straßenschilder zweisprachig. Sie ist zwar von hier, hat aber kaschubisches Polnisch nie gelernt. Gesättigt setzen wir unseren Weg fort. In Hel angekommen besteigen wir als erstes den Leuchtturm, verschaffen uns einen Überblick und können weit in die Danziger Bucht sehen.

Strand bei Rixhöft

Nachdem wir den Ort und den Hafen erkundet haben, geht es wieder gen Westen, zum polnischen Nordpol, nach Rozewie (Rixhöft). Dort stehen zwei Leuchttürme dicht beieinander, von denen nur noch einer in Betrieb ist. Von hier führt ein steiler holpriger Weg hinunter ans Wasser. Hier wird die Steilküste durch eine massive Betonmauer vor der nagenden See bewahrt.

Leba

Am Abend erreichen wir Lleba, schlendern um den Hafen und machen uns dann auf Zimmersuche, kein Problem, hier lebt man vom Tourismus (u.a.). Nachdem wir unser Appartment bezogen haben, gehen wir wieder ins Zentrum und lassen uns dann in einem Restaurant einen üppiges Mahl servieren (fangfrischer Dorsch - superlecker, Riesenportion zum moderaten Preis).




26.09.05


Am nächsten Morgen suchen wir eine Möglichkeit zum Frühstücken, auch wieder nicht so leicht, aber wir finden eine Bäckerei mit Stehcafé, in dem wir unseren Kaffee, ein paar trockene Brötchen und leckere Hefeteile doch recht gemütlich im Sitzen einnehmen können (Dunkel war's, der Mond schien helle.....). Danach steht die Wanderdüne von Lleba auf dem Programm. Von Rabka müssen wir den Weg zur Düne, 5 km, zu Fuss machen (Parken kostet, Düne auch). Auf einer Betonpiste legen wir die ersten 2 km durch den Wald zurück. Dann schlagen wir uns durch den Wald zum Strand. Es ist ein wunderschöner sauberer Strand, ohne jeglichen Zivilisationsmüll, mit feinstem Sand. Bernstein suchen wir vergeblich, aber die leichte Anstrengung wird mit einem Blick auf die wandernden Sanddünen belohnt. Pro Jahr soll sich die Dünenlandschaft 10 m nach Südosten bewegen. Der Slowinski Nationalpark, in dem wir uns befinden, schließt auch den unterhalb der Nehrung liegenden Jeziero Llebsko ein, ein vom Meer abgetrenntes Binnengewässer. Die höchste der Dünen ist 43 m hoch.

Wanderdüne bei Leba

Von der Düne eingenommen


Auf unserer Route gen Heimat liegen Dörfer im "karierten Land", die lt. Reiseführer noch ganz ursprünglich sind und an eine längst vergangene Zeit erinnern. Wir sind ein wenig enttäuscht, als wir die "Hauptstadt" des karierten Landes aufsuchen. Die Aussage des Reiseführers war vielleicht vor einigen Jahren zutreffend, heute erscheint uns der Zustand der Häuser eher vernachlässigt. Die Erbauer waren Deutsche, was auf einigen verblassten Schildern, auch in Deutsch, zu lesen ist.

Swolowo

An diesem Tag fahren wir über eine der schlimmsten Straßen unserer Reise. Kopfsteinpflaster, in der Mitte extrem gewölbt, die Löcher sind riesig und ziehen sich einige Male quer über die Straßenbreite (es handelt sich allerdings um eine alte Straße, die wir unvorsichtiger Weise als Abkürzung gewählt haben).

Die letzte Übernachtung haben wir in Darlowko (Rügenwaldermünde), ein Abendspaziergang am Hafen und ein Snack im Schnellimbiss beenden den Tag. Um halbneun sind die Bürgersteige hoch geklappt und wir befinden uns in unserem Zimmer mit einem letzten polnischen Bier.

Hafen von Darlowko


27.09.05

Es hat zu regnen begonnen. Wir fahren nach Darlowo und suchen am Marktplatz nach einem Café, zu Essen gibt es nur Torte, aber der Kaffee ist gut.
Heimwärts geht es nun über Gryfino ( wo wir noch tanken und zum Mittag ein Hähnchen vom Grill verspeisen ), kurzer Stopp an der Oder, dann über die Grenze. Gegen 21 Uhr wieder zu Hause, nach 4495 km, vielen Eindrücken eines fremden Landes und begierig die Erkundungen fortzusetzen.

Gryfino Oderbrücke in Gryfino

Wir haben unterschiedliche Landschaften durchfahren, verschiedenste Menschen getroffen, die immer freundlich und hilfsbereit waren, meistens hatten wir Glück bei der Suche nach einem "Pokoje".
Wir sind erstaunt, mit wie wenig Geld der Durchschnittspole zurecht kommt, 200-300 € im Monat.
Wir wissen, dass man das Land nicht in einem Urlaub kennenlernen kann. doch sollte uns diese Rundreise nur einen ersten Eindruck verschaffen.

Ende der ersten Reise in den Osten: Die "Ängste" sind verflogen und es hat Lust auf mehr gemacht.



B-F 2014

Urlaub 2012 - 2015Posted by Christiane Tue, March 07, 2017 12:19:14


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