Emmas Reisen

Emmas Reisen

Polen 2005/2

Urlaub 2005 - 2011Posted by Christiane Wed, March 08, 2017 10:41:30

14.09.05

Vom Kamenzer Schloss konnten wir nicht viel sehen, da von hohen Zäunen umgeben und das Tor verschlossen war. Wir frühstücken in einem urigen Lokal kurz hinter Bardo. Ein Trucker-Treff im Blockhaus-Stil, mit Kaminfeuer, obwohl draußen die Sonne scheint und das Thermometer 22° C anzeigt. Unser erster polnischer Kaffee (mit Satz), das Frühstück ist reichlich und gut.

In Glatz angekommen, stellen wir das Auto auf einem bewachten Parkplatz ab und begeben uns ins Stadtzentrum. Dazu müssen wir über eine Brücke, die aufgrund der Heiligenstatuen Ähnlichkeit mit der berühmten Karlsbrücke in Prag aufweist.

Weiter geht es über den Rynek (Marktplatz)




bis zur Festung, von der wir einen herrlichen Rundblick über den Glatzer Kessel genießen. Danach folgt eine Führung (in polnischer Sprache, wir erhalten einen Handzettel in Deutsch) durch das unterirdische Labyrinth,



dass zu Verteidigungszwecken angelegt wurde. Die Gänge sind teilweise nur 1 m hoch und wurden von den Soldaten in völliger Dunkelheit begangen. Man legte Sprengstoff unter die feindlichen Stellungen, die sich auf dem Hang vor der Festung befanden. Im Festungsmuseum machen wir Bilder von Bildern des Neisse-Hochwassers (1997).


Über Patschkau führt uns unser Weg über die tschechische Grenze bei Bily Potok, Richtung Javornik. In Bernartice wollen wir Geld tauschen, um auch mal das tschechische Bier zu verkosten. Leider sind die Banken geschlossen und so fahren wir weiter direkt entlang der PL-CZ. Bei Terezin entdecken wir an einer Kreuzung ein vermutlich von Zigeunern bewohntes Haus, das Dach ist in einem erbärmlichen Zustand, die Wäsche hängt über dem Zaun. "Europa erwache!"



Bei Glucholazy kehren wir zurück nach Polen. Heute wollen wir in Nysa (Neisse) übernachten. Aus dem neuen Reiseführer haben wir ein Hotel ausgesucht. Am Ortseingang sprechen wir ein polnisches Ehepaar an, er spricht relativ gut deutsch und erklärt uns den Weg. Diesmal finden wir das Hotel, die alte Villa "Navigator", recht zügig. Das Haus wird von Bruder und Schwester geführt, die Zimmer sind eigenwillig eingerichtet, etwas düster, mit schweren alten Möbeln.

Nysa bei Nacht

Wir machen noch einen kleinen Rundgang durch das Zentrum und machen erste Bekanntschaft mit "Warka strong" (7 %). Erledigen unsere Einkäufe und erstehen
eine besonders gut schmeckende polnische Mettwurst.

Neisse-Hochwasser 1997

Am kommenden Morgen nehmen wir unser Frühstück im "Riesen"-Wohnzimmer der Familie ein, auch hier sehr massive und antike Holzmöbel. Wir legen die weitere Route fest. Über Dörfer soll es weiter gen Osten gehen. Aber nach wenigen Kilometern kehren wir zur B41 zurück.

Gänse-"Lager"

Oderbrücke bei Kedcierzyn-Kozle

An der Oderbrücke machen wir ein Päuschen, bevor es zum oberschlesischen Industrierevier um Kattowitz (dem polnischen Ruhrpott) weitergeht. An der Straße nach Ujazd weist ein Schild auf das Arbeitslager "Blechhamer", ein Nebenlager von Auschwitz, hin.

Wir biegen hier ab und stoßen auf die Überreste des Wachturms am Eingang.

Auf einer Lichtung sehen wir das Mahnmal und eine Baracke. Zwei Autos und ein paar dubiose Typen, die herumlungern, halten uns vom Aussteigen ab.

Bei einem weiteren Zwischenstopp zwecks Routenplanung (kurz vor Zabrze) kommt eine alte Frau vorbei, die uns zunächst auf Polnisch anspricht und nachdem wir auf deutsch antworten, erzählt sie uns ebenfalls in deutsch von der "alten Zeit".

Über Zabrze gelangen wir nach Bytom (Beuthen) und sehen uns mehrere Bergwerke von außen an, erleben den Schichtwechsel und sind erschüttert über Wohn- und Lebensverhältnisse in der Umgebung (siehe unten).


Eine Kokerei stößt in regelmäßigen Abständen ihre Wolken aus, dass uns fast die Luft wegbleibt.

Förderanlage in Bytom


Förderanlage in Bierun

Neben den Förderanlagen warten LKW-Schlangen auf ihre Kohle. Die Straßen sind vom Ruß schwarz gefärbt.

Wir haben fürs erste genug von den Eindrücken des Reviers und machen uns nach Oswiecim (Auschwitz) auf. An einer Tankstelle erkundigen wir uns nach dem Weg. In einer kleinen Gaststätte mitten in der "Botanik" stillen wir unseren Hunger mit einer PL-Tiefkühlpizza.

In Oswiecim (Auschwitz) ist die Ausschilderung zum Lager sehr dürftig. Nach einigem Suchen finden wir zum Stammlager. Da aber die Zeit schon vorgerückt ist, gehen wir auf Zimmersuche. Südlich der Stadt entdecken wir ein Hinweisschild auf eine "Agroturystika", wir landen in Skidzin und machen an einer Bar Halt. Die dazugehörige Pension liegt nur wenige hundert Meter entfernt. Dort nimmt uns die Wirtin, die ziemlich gut englisch spricht, in Empfang und wir suchen uns ein Zimmer aus. Wir ahnen nicht, dass es noch ein lustiger Abend werden wird, denn als wir in die Bar zum Abendessen gehen, lernen wir Hans und Toni (zwei Ur-Bayern) kennen.

Bei einigen Bieren klären wir zur Heiterkeit aller die Unterschiede zwischen Norddeutschen und Bayern. Ein reger "Erfahrungsaustausch" findet an diesem Abend statt und zu später Stunde fallen wir müde in die Betten.


Tagesstrecke: 320 km
Ü/F: 60 Zloty


15.09.05


Konzentrationslager Auschwitz

Bild eines Insassen

Auschwitz-Birkenau

Die Kehle ist wie zugeschnürt. Nur ein Wort bleibt im Kopf: Tod, Tod, Tod.
Die Eindrücke werden für immer im Gedächtnis bleiben.

Anscheinend besuchen nur sehr wenige Deutsche diesen Ort.

In Birkenau begegnen wir einer israelischen Jugendgruppe. Obwohl hier schwärzeste deutsche Geschichte geschrieben wird, gibt es kein Zeichen dafür, dass wir als Deutsche nicht willkommen sind.

Das Leben rund um das Lager folgt den Gesetzen der Normalität.

Nach dem Besuch der Lager fahren wir noch ein wenig in der Gegend herum. So kehren wir in die Gegenwart zurück.


16.09.05

Nach einem guten Frühstück brechen wir auf in Richtung Süden. Über Kety führt der Weg nach Bialsko-Biala. Mitten in der Stadt steht ein Kraftwerk.

Kraftwerk in Bielsko-Biala

Vor Zywiec liegt ein größerer Stausee, den wir umrunden.

Zywiec-Stausee

Bei der Ankunft in Zywiec halten wir in einem Supermarkt und füllen unsere Vorräte auf. Wir fahren weiter und biegen hinter Jelesnia von der Hauptstraße ab und fahren in Richtung des Romanka (1366 m) - ein wunderschönes Tal, leider versperren uns aufsteigende Nebel die Aussicht.
als Unterkunft nicht so geeignet (bei Romanka)

Zurück auf der Hauptstraße überqueren wir den PL-SK-Grenzübergang bei Korbielow.

Grenze PL-SK bei Korbielow

In der Slowakei sind die Straßen besser und die Ortschaften gepflegter, obwohl es auch hier viel Armut gibt. Wir fahren zum Vodna Orava, es regnet und wir suchen schnell ein Café auf. Wir trinken "türkischen" Kaffee (die Alternative wäre Nescafé gewesen).

In Trstena geben wir unsere letzten slowakischen Kronen für echtes Pils aus. Im Ort fallen uns die zahlreichen Außenlautsprecher auf. Ob hier die Radiosender übertragen wurden? Oder waren es eher politische Meldungen, die zu sozialistischen Zeiten auch den letzten Winkel des Landes erreichen sollten.

Marktplatz in Trstena

Bei Sucha Hora gelangen wir nach Polen zurück und vor uns liegt die Hohe Tatra , das Siedlungsgebiet der Goralen. Wir überfahren den Dunajec-Fluss

Dunajec

und erreichen das laut Reiseführer stilvollste Dorf im Bergvorland, Chocholow. Im Ort können wir sehen, was unter Goralen-Architektur zu verstehen ist. Die Häuser, die direkt an der Straße stehen, sind aus massivem hellen Holz gebaut und werden jedes Jahr vor dem Osterfest blank gescheuert.

Chocholow - Goralen-Architektur


"Wolne pokoje" - "Zimmer frei" ist hier überall zu lesen. Nach kurzer Suche finden wir ein gemütliches Zimmer, zu dem auch eine Küche gehört. Bevor wir den Tag ausklingen lassen, machen wir noch einen kurzen Trip nach Zakopane (ca. 20 km von hier). Da der Regen immer noch nicht aufgehört hat, bleibt es bei einer Stadtrundfahrt.

"Dom" von Zakopane

Tagesstrecke: 240 km
Ü: 60 Zloty


17.09.05

Hohe Tatra


In der Nacht hatte es sich endlich ausgeregnet, aber es waren nur noch 7° C. Nach dem Frühstück mit selbstgemachtem Milchkaffee brechen wir in Richtung Pieniny-Gebirge auf. Vorher halten wir am Czorsztynskie-Stausee und spazieren über den Staudamm.
Czorsztynskie-Stausee

Die herbstlichen Temperaturen lassen uns jedoch schnell wieder im Auto Zuflucht suchen. Wir fahren entlang des Dunajec auf polnischer Seite, denn hier trennt der Fluss Polen von der Slowakei, und "genießen" eine Flossfahrt vom Ufer aus.

Flossfahrt auf dem Dunajec

Die Straße endet mit dem Blick auf die "Trzy Korony" (Drei Kronen), ein Teil des Pieniny-Gebirgchens.

Um unsere Reise fortzusetzen, müssen wir den Weg zurück nehmen. In Stary Sacz machen wir nach einem Einkauf im Zentrum Delicatesy Picknick auf dem Marktplatz und genehmigen uns dann einen köstlichen Café latte im Café am Markt.

Marktplatz in Stary Sacz

Hinter Stary Sacz verlassen wir den Dunajec und fahren über Nowy Sacz, Grybow, Gorlice nach Dukla. Hier sehen wir einige Pferdekopfpumpen mit scheinbar noch vorhandenen Bohreinrichtungen.

Hinter Dukla, in Rowne, müssen wir tanken. Mittlerweile ist es 18 Uhr und je weiter wir nach Osten kommen, desto früher wird es dunkel. Zimmersuche im Dunkeln ist nicht so easy. Wir halten intensiv Ausschau, ohne Erfolg. Unserem Reiseführer entnehmen wir, dass es in Ustrziky Dolne eine Pension gibt. Noch ein Stückchen zu fahren und die Dunkelheit hat schon eingesetzt. Die Nächte im Osten sind dunkler. Das Fahren macht überhaupt keinen Spass mehr. Wir bemerken, dass wir diese Situation möglichst vermeiden wollen (kann durchaus gefährlich werden).

Mit viel Glück finden wir endlich die Pension Magda Turystyczny Osrodent (touristisches "Behandlungszentrum"). Und obwohl wir kein polnisch sprechen und die jungen Männer an der Rezeption weder englisch noch deutsch, bekommen wir ein ordentliches Zimmer.

Tagesstrecke: 340 km
Ü: 60 Zloty

ENDE TEIL 2