Emmas Reisen

Emmas Reisen

Polen 2005/3

Urlaub 2005 - 2011Posted by Christiane Wed, March 08, 2017 10:39:13

18.09.05

Unser Frühstück nehmen wir in einem gemütlichen Gemeinschaftsraum ein, Tee und Kaffee sind im Zimmerpreis eingeschlossen, der Rest kommt aus unserer Kühlbox.

Die Hauptattraktionen des Hauses: Freeclimbing, Geländetouren, Paintball usw.


Vorbereitung auf die nächste Geländetour

Im Reiseführer hatten wir gelesen, dass die Eisenbahnstrecke von hier nach Przemysl über ukrainisches Territorium führt.

Bahnlinie PL-UA (letzter Halt vor der UA-Grenze)

Im Hotel erfahren wir, dass der Zug zweimal am Tag fährt: Um 7.00 und um 17.00 Uhr. Das passt nicht in unsere Pläne. Da wir nun aber schon so nah an der ukrainischen Grenze sind, wollen wir auch einen Blick darauf werfen.

Grenzübergang Kroscienko

Die Schlange der Wartenden ist lang, wir fahren erst vorbei und drehen dann um, da wir gehört haben,dass dies kein Übergang für "Ausländer" sei.


rKate, aber MB vor der Tür

Wir sind auf dem Weg nach Przemysl, wo wir versuchen wollen, über die Grenze zu kommen. Um dorthin zu gelangen, gelangen wir auf Nebenstraßen in ein Tal, wo wir links und rechts Häuser vorfinden, die in ihrem Baustil russischen Bauernhäuschen ähneln. Zum Teil recht baufällig, müssen die Häuser jedoch bewohnt sein, da immer wieder Gummistiefel vor den Türen stehen, Autos geparkt und Satellitenschüsseln angebracht sind.

Es scheint eine der ärmeren Gegenden Polens zu sein. Die Verwurzelung im Glauben ist jedoch tief und wird deutlich an den Kirchgängern, die weite Strecken zur nächsten Kirche zu Fuß zurücklegen. Friedhöfe sind üppig mit Blumen geschmückt.


In Kuzmina gelangen wir wieder auf die Hauptstraße. In Przemysl irren wir durch die Stadt, um den Weg zur ukrainischen Grenze zu finden.

San-Brücke

An der San machen wir eine Pause, direkt neben einem polnisch-russischen Markt. Wartende Busse husten ihre schwarzen, stinkenden Abgase in die Luft. Nach kurzer Zeit finden wir dann endlich die Straße zum Grenzübergang nach Medyka. Wir passieren die Schlange der wartenden Ukrainer und zücken unsere Personalausweise. Der Grenzer versucht uns zu verstehen zu geben, dass für die Einreise in die Ukraine wohl ein Reisepass erforderlich ist... Verschwindet aber mit unseren Ausweisen im Büro der Grenzstation. Nach kurzer Zeit kommt er zurück und macht uns erneut deutlich, dass ohne Reisepass nichts geht. Wir stehen nun mittlerweile zwischen Grenz- und Zollstation und ringsum von ukrainischen Fahrzeugen eingekeilt. Unsere Stimmung sinkt, da wir annehmen, dass wir hier noch lange Zeit ausharren müssen, bevor wir auf die Einreisespur wechseln können. Zum Glück ist der Grenzer aufmerksam und hilfsbereit und dirigiert den Verkehr. Hier ein bisschen vor, da ein bisschen zurück und schon sind wir raus aus dem Schlamassel. Mit einem freundlichen Winken bedanken wir uns bei ihm.

Übergang Medyka

Die nächste Station ist das ehemalige Vernichtungslager Belzec. Nur mit Mühe erkennen wir in einem superholperigen Weg die Zufahrtsstraße zum ehemaligen Lager. Belzec ist ein Mahnmal, künstlerisch eindrucksvoll gestaltet, mit einem Weg in die Tiefe und dem danach folgenden Aufstieg in der Hoffnung auf das Licht des Himmels, zwei riesigen Feldern mit Schlackensteinen, aufgschichteten Eisenbahnschwellen und Schildern mit den Namen vieler polnischer Städte. An der Gedächtniswand sehen wir die Vornamen von ermordeten Juden.

Erinnerungstafel Belcec

Denkmal Belcec


Gegen Abend erreichen Zamosc, wo wir in einem Motel an der Einfallstraße ein Zimmer nehmen.

Tagesstrecke: 290 km
Ü: 120 Zloty

19.09.05

Wir beginnen den Tag mit einem Spaziergang durch die "Stare Miasto" von Zamosc. Nach einigen sprachlichen Verwirrungen stoßen wir auf ein Hotel, in dem wir unser Frühstück einnehmen können, was in den anderen, rund um den Marktplatz liegenden Lokalen, nicht möglich ist.

Rathaus Zamosc

Synagoge

Jan Zamoyski

Rund um das Rathaus gruppieren sich schön anzusehende armenische und italienische Renaissance-Häuser. Wir besuchen die Synagoge der Stadt, die heute ein eindrucksvolles Museum ist. Nach der Besichtigung haben wir für heute Sobibor als nächstes Ziel ins Auge gefaßt. Leider ist die Ausschilderung aus der Stadt nicht immer eindeutig und es dauert ein wenig, bis wir den Weg nach Chelm. Die Straße dorthin ist von Schlaglöchern übersät und wir kommen nur mühsam voran.

Immer wieder stellen wir fest, dass sich die Dörfer endlos entlang der Straßen ziehen. Ein Dorf geht in das andere über. Die Landschaft ist waldreich und in den Ortschaften glauben wir die Nähe zur ukrainischen Grenze zu erkennen. Auf den Straßen sehen wir viele Fahrzeuge aus den ehemaligen GUS-Staaten und wir fühlen uns schon fast wie in der früheren SU. Anhand der beladenen Dachgepäckträger müssen die Baumärkte entlang der Grenze wohl alle ausverkauft sein.


Tabak zum Trocknen aufgehängt



Auch die Fahrt durch Chelm gelingt nicht auf Anhieb. Erst nach dem zweiten Anlauf gelangen wir durch den Sobiborski Park Krajobrazowy nach Sobibor. Leider sind wir etwas spät dran, denn das Museumsgebäude schließt um 14 Uhr. Aber wir machen einen ausgedehnten Rundgang über das ehemalige Lagergelände. An den Wegen durch den Wald sind Informationstafeln aufgestellt, die die nicht mehr existenten Gebäude beschreiben. Mahnmale und Gedenksteine mit den Namen der Ermordeten erinnern an die Geschehnisse des dritten Reiches. Wie schon in Belzec, sind wir auch hier die einzigen Besucher. Es herrscht eine friedliche Atmosphäre.


Nicht weit entfernt fließt der Bug, der hier die Grenze zwischen Polen und der Ukraine bildet. In Zbereze parken wir und gehen ans Ufer des Flusses. Ein wirklich idyllisches Fleckchen und das bei strahlendem Sonnenschein.

der Bug
Häuser entlang der Straßen


Weiter geht es über Wlodawa, parallel zum Bug gelangen wir nach Slawatycze. Dort fahren wir kurz an den Grenzübergang nach Belarus, um einen Blick auf diese noch fremde Welt zu erhaschen. Wenn wir einen Reisepass dabei hätten, wäre vielleicht ein Besuch möglich.

Der Stand unserer Tanknadel zwingt uns, auf der Karte nach einer größeren Stadt Ausschau zu halten und so geht es weiter nach Norden in Richtung Terespol. Dort befindet sich der Übergang nach Brest/BY. Auf dem Parkplatz am Übergang halten wir uns beobachten eine ganze Weile das Treiben an der Grenze. Glücklicherweise finden wir bald eine Tankstelle und setzen den Weg in Richtung Westen fort.

Da die Zeit vorgerückt ist, halten wir Ausschau nach einer Übernachtungsmöglichkeit und entdecken per Zufall bei Pratolin ein noch im Aufbau befindliches Sanktuarium mit einer riesigen Showbühne. Daneben befindet sich ein Schild mit der Aufschrift "Agroturystyka", wir sehen ein schön gelegenes Häuschen am Bug, jedoch öffnet uns niemand.



In Janow Podlaski finden wir nach intensivem Suchen ein "Hotel". Hier verabschiedet sich der Bug als Grenzfluß zwischen PL und BY und nimmt seinen Weg weiter nach Westen. Das "Hotel" ist eher eine Pension, wir können die Küche benutzen, unterlassen dies jedoch aufgrund des Zustandes. Wir bedauern wieder einmal, dass unsere Polnischkenntnisse leider nicht vorhanden sind, denn die Leute sind sehr nett. Einer der Bewohner spricht ein paar Worte deutsch und ist uns bei der Verständigung mit dem Wirt behilflich.

Tagesstrecke: 270 km
Ü: 40 Zloty


20.09.05

Wir starten mit einem Umweg, aber immer in der Nähe des Bugs. Auf der Strecke sehen wir gelegentlich Erdbunker, die vermutlich als Kühlräume dienen.

Kurz hinter Drohiczyn überqueren wir den Bug, halten auf der Brücke und genießen den Ausblick auf den stillen Fluss. In Sokolow Podlaski nehmen wir die 677 in Richtung Treblinka. Die Straße ab Kosow Lacki scheint von den Nazis gebaut zu sein, eine typische Betonpiste. Die Bahn führt parallel zur Straße direkt ins ehemalige Lager Treblinka. In wunderschöner Heidelandschaft stoßen wir links der Straße auf das Gelände der Gedenkstätte. Treblinka, welch ein Name für die Unmenschlichkeiten, die hier geschahen. Wäre man unbelastet, ein schöner Name für eine Frau. Zwei Stunden dauert der Rundgang. Ein Pärchen aus Chemnitz parkt neben uns. Wir treffen sie während des Rundgangs, doch ins Gespräch kommen wir nicht.



An der Stelle, wo Insassen des Lagers verbrannt wurden, treffen wir auf eine israelische Gruppe, die hier eingedenk der Geschehnisse für die Opfer beten. Wir entfernen uns, um sie nicht zu stören.

Kirche von Jedwabne

Zurück in der Jetztzeit fahren wir weiter nach Norden, die Betonpiste setzt sich über den Bug fort. Wir nehmen Kurs auf Lomza, um dann nach Jedwabne zu fahren. Von diesem Ort hatten wir einen Bericht in der "Zeit" gelesen, wonach in diesem Dorf während des 2. Weltkrieges ein Pogrom von Polen an Juden verübt wurde.

Wir empfinden bei der Durchfahrt eine unheimliche Atmosphäre und fühlen uns beobachtet, ohne auszusteigen, setzen wir unsere Fahrt fort durch die ursprüngliche Landschaft Podlachiens.


Wie in alten Zeiten

Über Kolno erreichen wir Piscz, wo wir ein Zimmer zu finden hoffen. Zuvor machen wir eine Kaffeepause in Brzozowo Jeze. Alle Zäune entlang der Straße sind mit Fähnchen geschmückt, es scheint ein Kirchenfest anzustehen. Auch in Piscz sehen wir die Fähnchen an den Zäunen, haben aber keine Idee, um welchen Feiertag es sich handeln könnte. Hier, am Anfang der masurischen Seenlandschaft finden wir Nachtquartier in einer Pension, in der wohl überwiegend Monteure absteigen.

Wir gehen noch in den Ort und genießen ein sehr gutes Abendessen mit einigen starken Bieren. So wird die Nacht im Zimmer neben den Bad- und Toilettengeräuschen erträglicher.

Tagesstrecke: 290 km
Ü: 60 Zloty

21.09.05

Nach einer turbulenten Nacht (gegen halbfünf starten die Monteure zur Arbeit, die Motoren laufen rund 1/4 h warm) verabschieden wir uns von unserer Vermieterin und fahren in den Ort. Wir bekommen ein schönes Frühstück in dem Lokal, in dem wir schon am Abend zuvor gegessen hatten. Unser erstes Ziel wird der Jezioro Sniardwy, der größte der masurischen Seen.

Wir fahren direkt ans Ufer, erkunden dieses zu Fuß und sind von der Schönheit der Landschaft verzaubert. Dieser Zauber verfliegt kurzzeitig, denn nachdem wir wieder im Auto sitzen, bemerken wir einen unangenehmen Geruch und stellen fest, dass wir beim Spaziergang einen Hundehaufen übersehen hatten. Also Stopp und Reinigung, Reinigung, Reinigung!!

An Orcysz vorbei wollen wir nun nach Gyzicko. Neben der Straße sehen wir eine Bauernfamilie beim Kartoffelroden, hier wird noch mit Pferden gepflügt. Kurz vor Nikolaiken biegen wir rechts ab, am Jezioro Jagodne entlang, gelangen wir nach Gyzicko.

Am Ortseingang halten wir an einem russischen Soldatenfriedhof.


Aus dem Reiseführer wissen wir, dass es in dem Ort noch eine funktionierende Drehbrücke gibt, die den Kanal zwischen Jeziero Negocin und Jez. Kisajnu überspannt. Die ca. 20 m lange Brücke wird vom Brückenwärter per Hand zur Seite gedreht, damit Schiffe passieren können. Alles läuft hier per Hand, selbst die Schranken, die den Autoverkehr stoppen, werden so geschlossen und geöffnet. Alles natürlich nach festem Stundenplan. Sicherheit wird hier ganz groß geschrieben, die Schranken für den Fahrzeugverkehr werden mit Vorhängeschlössern gesichert.

Nach dieser Aktion fahren wir selbst über die Brücke in die Stadt, dann weiter zur Wolfsschanze in der Nähe von Ketrzyn (Rastenburg). Eine Abkürzung führt durch ein Waldgebiet auf einer einspurigen gepflasterten Straße, in der Mitte teilweise stark gewölbt, und das Fahren macht wieder mal keine große Freude. Mitten im Wald taucht auf einmal eine kleine Bunkerstation auf, der erste Hinweis auf die vor uns liegende Anlage. Als wir auf dem Parkplatz ankommen, werden wir von einem Mann in gutem Deutsch mit heiserer Stimme (später erzählt er uns, das dies von einem Überfall herrührt, bei dem ihm ein Stock an die Kehle gedrückt wurde) angesprochen, der uns eine Führung anbietet. Edvard Korpalski.



Neben uns parken zwei Wohnmobile, das eine aus Hildburghausen, das andere aus der Nähe von Braunau/A. Gemeinsam mit den beiden Pärchen lassen wir uns von Edvard die Anlage zeigen. "Nette Gäste...", so spricht er uns an. Als Mitautor eines Buches über die Wolfsschanze, welches wir am Ende der Führung für 50 Zloty erwerben, stellt er sich als sehr kompetent heraus.

Gedenktafel für den 20. Juli 1944 Doppelwand-BunkerUmbauten

Führerbunker Dach mit MG-Station

Nach einer zweistündigen Führung verlassen wir diesen historischen Ort und fahren über Mragowo nach Nikolaiken, dem Wassersportparadies der masurischen Seen. Hier finden wir die bisher beste Unterkunft in der Pension Mikolajki, für 100 Zloty incl. Frühstück. Vier junge Spanierinnen checken mit uns ein, sie kommen aus Torun, machen eine kleine Tour mit dem Leihwagen und fliegen von Danzig nach Haus. Mit einem Abendessen in in einer polnischen "Chill-out"-Bar beschließen wir den Tag.



Chilloutbar

Tagesstrecke 170 km
Ü: 100 Zloty